Tief beeindruckt hat mich gestern eine Dokumentation auf Arte über die neuesten Erkenntnisse zum Bienensterben. Noch immer ist es nicht wirklich geklärt. Viele bekannte Problemfelder (Varoa, Pestizide, Wanderstress speziell in den USA, Viren, Bakterien, intensive Landwirtschaft etc.) wurden genannt. Jedoch haben einige Forscher ein paar neue Impulse bekommen. Verblüffend die Dokumentation der Region, wo viele dieser Problemfelder sich konzentrieren, wo die Verluste zu Beginn am dramatischsten waren, wo viele Fäden zusammenlaufen und sich Muster abzuzeichnen beginnen: die gigantischen Mandelplantagen in Kalifornien. Und man versteht: Kalifornien ist überall …
Eigentlich warten wir ja alle auf schönes Frühlingswetter, um endlich draußen das Erwachen der Natur beobachten zu können. Wer genau hinsieht, entdeckt natürlich auch jetzt schon einiges. Frühblüher oder erste Knospen an Sträuchern und Büschen, auch eine Hummelkönigin habe ich schon gesehen. Aber das passende Wetter für eine richtige Initialzündung Richtung Frühling mag sich noch nicht einstellen.
Also surft man ersatzweise durchs Netz und sucht den Frühling dort. Im Kaiserstuhl ist der Frühling aufgrund des milderen Klimas meist etwas früher dran. Dieses günstige Klima und die vielfältig strukturierte Landschaft dort haben eine hohe Artenvielfalt zur Folge. Die Homepage von Gabi Krumm zeigt vieles davon. Zum Beispiel eine sehr eindruckvolle Fotoseite unterschiedlicher sozialer und solitärer Wespenarten. Es ist wirklich schön, dass das World Wide Web Naturfreunden die Möglichkeit bietet ihre Beobachtungen mit anderen zu teilen.
Bienenwolf mit Beute - Foto: Gabi Krumm
Worauf man auch hin und wieder stößt, ist der paradoxe Streit zwischen polarisierten Fraktionen von „Artenschützern“ und „Umweltschützern“. Den „Artenschützern“ wird dabei vorgeworfen nur ihr kleines Mosaiksteinchen (z.B. Schmetterlinge) im Auge zu haben und die globale Ebene nicht genügend zu berücksichtigen. Den „Umweltschützern“ wird vorgeworfen in erster Linie politisch interessiert zu sein und mit Natur nicht viel am Hute zu haben.
Mir scheinen diese Grabenkämpfe nutzlos und die Vorwürfe in der Regel nicht zutreffend zu sein. Ich möchte das am Thema Bienen verdeutlichen. Wer sich mit Bienen und der Imkerei näher beschäftigt, dem fällt sehr schnell auf, dass es nicht genügt, seine Völker zu versorgen und den lieben Gott einen guten Mann sein zu lassen. Das Bienensterben in den USA und auch in Deutschland zeigen, dass übergeordnete Probleme sehr stark in die Völker eingreifen.
Auch Gentechnik spielt dort hinein. Wenn Imker ihren Honig in die Müllverbrennungsanlage bringen müssen, weil er Pollen von Gen-Mais enthält, dann hat das auch und unmittelbar eine politische und wirtschaftliche Dimension. Wenn Hummeln und Bienen zu wenig Blühpflanzen finden, dann lässt sich das nicht von Landwirtschaft und Umwelterziehung oder billigen Angeboten nicht-heimischer Pflanzen in Baumärkten trennen.
Jeder Artenschützer, der tief genug blickt, ist gezwungen, über seinen Tellerrand hinaus zu schauen. Nicht zufällig befinden sich unter den Gegner der Gentechnik in der Landwirtschaft in zunehmenden Maße Imker. Dabei spielt der Monsanto-Konzern eine ebenso problematische Rolle, wie bei der Geschichte um das Herbizid RoundUp. Bei Youtube oder Google-Video finden Interessierte eine sehr ausführliche Arte-Dokumentation (1.49 h) zu diesem Thema.
Zum Abschluss noch ein kleines Video, das zeigt – wenn auch überspitzt, karikierend und sehr gerafft, aber mit einem wahren Kern – , dass Globalisierung auch bedeutet, dass keine Handlung ohne Folgen bleibt: